Literatur Hausarbeit:
Thema III.2. „So waren wir damals nicht“: Der
Unterstufenschüler aus Sicht eines Oberstufenschülers
„Früher hätte es das nicht gegeben!“ Was jetzt wie das
klischeehafte Gerede von Eltern klingt, ist mittlerweile oft aus den Mündern
von pseudo-erwachsenen Oberstufenschülern zu hören. Und das nicht ohne Grund: Was
sich die Unterstüfler leisten, war zu meiner Zeit als Unterstufenschüler undenkbar.
Der Gang im R-Geschoss mit den Klassenzimmern war bis zur 7. Klasse quasi
Sperrgebiet. Heute habe ich dort Unterricht, stehe also in den Pausen meistens
dort herum. Und was passiert andauernd? Kleine 5. oder 6. Klässler rennen einen
regelmäßig fast über den Haufen. Die kleinen Mädchen haben auch hin und wieder
die nervige Angewohnheit, das Trommelfell aller auf eine harte Probe zu
stellen. Dazu eine kleine Anekdote: Aufsatztag, 4. Stunde, wenn sich meine
grauen Zellen da nicht irren. Eine Gruppe Oberstüfler saß mit rauchenden Köpfen
über ihre Blätter gebeugt da und versuchte sich irgendwas aus den Fingern zu
saugen, um so zu wirken, als wüssten
sie, was der Autor ihnen sagen will. Da es warm war, waren natürlich die
Fenster offen…ein großer Fehler! Fragt mich nicht wieso, aber trotz des
Unterrichts wurden wohl ein paar Unterstüfler auf die Welt losgelassen. Sie
hatte nichts Besseres zu tun als einen Kreischwettbewerb zu starten. Perfekter
Schutz gegen Entführungen übrigens, weil den Entführern ja sofort die
Trommelfelle platzen. Aber da schreibende Schüler keine Entführer sind, ist
dieses Verhalten reichlich unangebracht; vor allem, wenn man sich im Klaren
darüber ist, wie lang die Kleinen kreischen können. Das Lungenvolumen müsste
man mal berechnen: So viel Luft, wie da reingeht, würden die sicher gute
Taucher abgeben. Aber Lungenvolumen hin oder her, die Geräuschpenetranz dieser
neuen Generation Mensch ist nicht ihre einzige Macke. Oft denkt man sich, dass
man den Duden mal auf Richtigkeit überprüfen sollte, weil das Wörtchen Respekt
bei den Kleinen wohl irgendwie rausgeflutscht ist. Damals hätten wir uns nicht
getraut, einen Älteren so unbedarft anzusprechen. Heute hingegen nerven die Kleinen
manchmal ganz schön gewaltig. Zumal sie immer die Gänge und Treppenhäuser
verstopfen müssen. Da kommt man sich vor wie auf dem Meer, wo man ständig gegen
die Wellen ankämpfen muss.
Auch eine Zunahme an Gewalt musste ich feststellen. Häufig
sehe ich kleine Jungen, die sich gegenseitig zusammenschlagen und das nicht nur
aus Spaß. Klar, wir haben damals auch gekämpft, aber nicht so! Wenn ich sehe
wie manche bereits am Boden liegen, warte ich nur drauf, dass irgendwann Blut
fließt.
Ein Beispiel zum Thema Streit bei Unterstüflern habe ich
auch noch. Ein paar Freunde von mir sind als Paten und Streitschlichter für
eine 6. Klasse zuständig. Es laufen quasi ständig Schlichtungen, und sie haben
mir mal erzählt, dass so gut wie alle Schlichtungen zu vermeiden seien, wenn
man sich untereinander einfach zugehört hätte. Das fällt zwar den meisten
Menschen schwer, aber der nächsten Generation wohl
besonders.
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